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Noch einmal den Bergen ganz nah

Ein letzter Blick auf die Berge – das war der größte Wunsch von Frau K. aus Vierkirchen. Die Berge hatten ihr Leben geprägt.

Ein Leben für die Berge

Schon als 22-Jährige zog es sie in die französische Schweiz. Ohne ein Wort Französisch zu sprechen, wagte sie den Schritt ins Unbekannte, lernte die Sprache und entdeckte ihre große Leidenschaft für den Wintersport. Später kehrte sie nach Deutschland zurück, blieb den Bergen jedoch ein Leben lang verbunden. Viele Winter verbrachte sie als staatlich geprüfte Langlauf-Skilehrerin in Pontresina im Engadin und nahm erfolgreich an zahlreichen Langlaufrennen teil. Für sie war dieser Ort weit mehr als ein Arbeitsplatz – er wurde zu einem Ort voller Erinnerungen, Freundschaften und Lebensfreude.

Vor einigen Monaten erhielt Frau K. die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Die fortschreitende Erkrankung des Nervensystems führt dazu, dass die Muskulatur nach und nach ihre Funktion verliert, bis schließlich selbst Sprechen, Schlucken und Gehen kaum oder gar nicht mehr möglich sind. Auch Frau K. verlor zunehmend ihre Kraft und ihre Sprache. Verständigen kann sie sich heute meist nur noch, indem sie einzelne Sätze in ihr Handy tippt.

Gerade in dieser Zeit reifte in ihr ein Herzenswunsch: Noch einmal wollte sie nach Pontresina im Engadin zurückkehren – an den Ort, der ihr über viele Jahre zur zweiten Heimat geworden war.

Der Gesundheitszustand von Frau K. verschlechterte sich jedoch zunehmend. Schließlich musste sie auf der Palliativstation der Barmherzigen Brüder behandelt werden und wurde wenig später in das dortige Hospiz verlegt, wo sie derzeit begleitet wird.

Von Pontresina auf die Zugspitze

Manchmal lässt sich ein großer Traum nicht mehr genauso verwirklichen, wie er ursprünglich gedacht war.

Als die Reise nach Pontresina nicht mehr möglich war, schien ihr großer Traum zunächst unerreichbar. Doch aus ihm entstand ein neuer Herzenswunsch: noch einmal die Berge sehen – diesmal von der Zugspitze aus. Gemeinsam setzten sich der Elisabeth-Hospizverein, das Hospiz und der ASB-Wünschewagen dafür ein, den neuen Herzenswunsch von Frau K. Wirklichkeit werden zu lassen. Wenige Tage später war es soweit:

Bei strahlendem Sommerwetter machte sich Frau K. gemeinsam mit ihrem Ehemann, ihrer Nachbarin und dem Team des ASB-Wünschewagens auf den Weg zur Zugspitze. Während der Fahrt war ihre Liege so gelagert, dass sie den Blick auf die vorbeiziehende Landschaft und die immer näher rückenden Berge genießen konnte. Oben angekommen ließ sie den Blick lange über die Bergwelt schweifen – bis hinunter zum tiefblauen Eibsee, der sich malerisch zwischen den Bergen erstreckt. Für einen Moment schien die schwere Krankheit weit weg. Für einige Stunden durfte sie noch einmal in die Bergwelt eintauchen, die sie ein Leben lang begleitet und geprägt hatte.

Die Bilder dieses Tages brauchen kaum Worte. Sie zeigen das Lächeln von Frau K. Für einige Stunden rückten Krankheit, Sorgen und Einschränkungen in den Hintergrund.

Nach ihrer Rückkehr fasste sie ihre Eindrücke in zwei kurzen Sätzen zusammen:

„Ich hatte den ganzen Tag keine Schmerzen. Jetzt kann ich in Frieden gehen.“

Nachbarschaft, die trägt

Dass dieser Tag überhaupt möglich werden konnte, war jedoch alles andere als selbstverständlich. Bereits während der Versorgung zu Hause erlitt Frau K.s Ehemann einen Oberschenkelhalsbruch und fiel als wichtigste Unterstützung plötzlich selbst aus.

Was daraufhin geschah, hätte das Ehepaar selbst kaum für möglich gehalten. Eine ehemalige Pflegefachkraft aus der Nachbarschaft koordinierte gemeinsam mit weiteren Nachbarinnen und Nachbarn die Hilfe. Sie waren für Frau K. da und ließen auch ihren Ehemann während seines Krankenhausaufenthalts nicht allein. Eine der Nachbarinnen wurde in dieser schweren Zeit zu einer engen Freundin und begleitete Frau K. schließlich auch auf ihrem Ausflug zur Zugspitze.

Aus Menschen, die sich zuvor nur freundlich über den Gartenzaun hinweg gegrüßt hatten, wurde eine Gemeinschaft. Manchmal braucht es viele Menschen, damit ein letzter Herzenswunsch Wirklichkeit werden kann.