Erfahrungsbericht der Hospizbegleiterin Agnes Fottner:
Begegnungen, die bleiben
Der Mann meines Lebens starb vierhundert Kilometer von mir entfernt. Und ich war nicht bei ihm. Eine Sache, die ich über Jahre hinweg mit mir herumtrug. Auch heute noch.
Ich war da, als meine Eltern starben; ich saß bei meiner Schwester, als sie viel zu früh sterben musste. Das war jedes Mal ein ganz besonderes und jedes für sich einzigartiges Erlebnis. Familie eben.
Dass es Menschen gibt, die auch „fremde“ Sterbende begleiten, habe ich erst viel später erfahren. Eine Freundin, mit der ich darüber gesprochen hatte, hinterließ mir eines Tages einen Zeitungsausschnitt im Briefkasten. Es war ein Hinweis des Hospizvereins Dachau auf das Grundseminar. Das war für mich der Fingerzeig!
Seit mehr als zwanzig Jahren in der Hospizbegleitung
Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich jetzt dabei. Eingebunden in ein tolles Team von Einsatzleitung und Begleiter-Kolleginnen und -Kollegen. In dieser langen Zeit habe ich viele besondere Menschen kennengelernt.
Ganz lebhaft ist mir die Begleitung einer Frau in Erinnerung, deren Sohn seine Hochzeit vorverlegte, damit sie dabei sein konnte. Sie war austherapiert und sehr schwach, bat mich aber, ihre Shoppingbegleitung zu sein. Wir kreierten ein tolles Outfit. Die Krönung war eine todschicke Kappe für ihren kahlen Kopf. Sie sah umwerfend aus. Und sie erzählte mir später – schwach, aber strahlend – wie sehr sie die Feier genossen und wie schön sie selbst sich gefühlt hatte. Zwei Tage später starb sie.
Die Frau mit Lungenkrebs, die ich begleiten durfte, war austherapiert und rauchte wie ein Schlot. „Weils jetz a scho wurscht is“, sagte sie. Und sie freute sich, wenn sie bei unseren Spazierfahrten in meinem Auto ihre billigen Selbstgedrehten rauchen durfte. Ich brachte ihr manchmal teure Zigaretten mit und überklebte die großen Warnhinweise mit lustigen Bildern und Sprüchen. Sie freute sich diebisch darüber, weil sie die Warnhinweise albern fand. Denn darüber war sie längst hinweg.
Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich jetzt dabei. Eingebunden in ein tolles Team von Einsatzleitung und Begleiter-Kolleginnen und -Kollegen. In dieser langen Zeit habe ich viele besondere Menschen kennengelernt.
Ganz lebhaft ist mir die Begleitung einer Frau in Erinnerung, deren Sohn seine Hochzeit vorverlegte, damit sie dabei sein konnte. Sie war austherapiert und sehr schwach, bat mich aber, ihre Shoppingbegleitung zu sein. Wir kreierten ein tolles Outfit. Die Krönung war eine todschicke Kappe für ihren kahlen Kopf. Sie sah umwerfend aus. Und sie erzählte mir später – schwach, aber strahlend – wie sehr sie die Feier genossen und wie schön sie selbst sich gefühlt hatte. Zwei Tage später starb sie.
Die Frau mit Lungenkrebs, die ich begleiten durfte, war austherapiert und rauchte wie ein Schlot. „Weils jetz a scho wurscht is“, sagte sie. Und sie freute sich, wenn sie bei unseren Spazierfahrten in meinem Auto ihre billigen Selbstgedrehten rauchen durfte. Ich brachte ihr manchmal teure Zigaretten mit und überklebte die großen Warnhinweise mit lustigen Bildern und Sprüchen. Sie freute sich diebisch darüber, weil sie die Warnhinweise albern fand. Denn darüber war sie längst hinweg.
Jeder Mensch stirbt anders
Ich denke an so viele, die ich begleiten durfte. Besondere Menschen; in einer außergewöhnlichen Lebenssituation. Wahrhaftig und unverfälscht in diesem Moment. Befreit von allen Konventionen. Der Mensch ganz pur. Ganz so, wie er von Anfang an gedacht war.
In all diesen Jahren habe ich festgestellt: Sterben ist etwas Individuelles. Es gibt keine Regeln. Man kann deshalb auch niemals einen Fehler machen. Jeder stirbt anders. Es gibt keine Zeitvorgaben. Der Sterbende führt die Regie, nicht wir.
Und wenn wir in diesem besonderen Moment dabei sein dürfen, ist das ein Geschenk.