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Das Ehrenamt im Hospizverein – unersetzlich und bereichernd

Das Ehrenamt in den Hospizdiensten ist unersetzlich: Menschen begleiten Sterbende mit Zeit, Fürsorge und offenem Herzen. Doch eines fällt auf – Männer sind in dieser Aufgabe rar gesät. Dabei könnte gerade ihre Perspektive die Hospizarbeit bereichern. Es ist an der Zeit, alte Rollenbilder zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.

In vielen Hospizvereinen stellen Frauen die Mehrheit der Ehrenamtlichen. Männer dagegen sind selten – ein Muster, das sich deutschlandweit zeigt. „Männer bringen andere Stärken und Sichtweisen mit, die gerade, aber nicht nur, im Umgang mit männlichen Patienten hilfreich sein können“, erklärt Silvia Feustel, Koordinatorin des Elisabeth -Hospizvereins Dachau.

Dort engagieren sich 65 Ehrenamtliche, darunter jedoch nur vier Männer. 

„Männer im Ehrenamt sind generell selten, besonders in der Care-Arbeit“, bestätigt Albert Kirmair, der seit vier Jahren als Hospizbegleiter tätig ist. „Doch genau diese Arbeit zeigt, wie erfüllend es sein kann, für andere da zu sein und in tiefgehenden Begegnungen das Wesentliche des Lebens zu entdecken.“

Interview mit Albert Kirmair: Männer und Frauen in der Hospizarbeit

Was hat Sie dazu bewegt, sich beim Hospizverein zu engagieren?

Es war in einer Phase der Veränderung. Beruflich stand vieles auf dem Prüfstand, und ich spürte eine tiefe Sehnsucht, etwas zu tun, das mehr Bedeutung hat als Zahlen, Systeme oder Erfolg. Ein Gespräch mit einem griechischen Gastwirt, der sich im Kinderhospiz engagierte, war wie ein Funke. Er sprach über den Wert, einem Menschen in seiner zerbrechlichsten Lebensphase zu begegnen – das hat etwas in mir ausgelöst. Lange dachte ich, ich hätte keine Zeit dafür, doch als sich die Gelegenheit bot, wusste ich: Jetzt oder nie.

Warum passt die Hospizarbeit zu Ihnen?

Weil das Leben dort seinen Schleier verliert. Es ist eine Arbeit, bei der man Menschen ohne Masken begegnet – in ihrer reinsten Form. In der Nähe des Todes tritt das Wesentliche hervor: Authentizität, Ehrlichkeit, Menschlichkeit.

Wie haben Familie und Freunde auf Ihr Engagement reagiert?

Unterschiedlich, würde ich sagen. Einige waren überrascht – aber auf eine positive Art. Andere fanden es eher ungewöhnlich, vielleicht weil sie in mir nicht den Typ dafür sahen. Doch das Leben ist voller Überraschungen, und manchmal ist es wichtig, Erwartungen zu durchbrechen.

Warum sehen wir so wenige Männer in der Hospizarbeit?

Unsere Gesellschaft hat Männern und Frauen lange Zeit unterschiedliche Rollen zugewiesen. Männer sollen Verantwortung tragen, Strukturen schaffen, Ergebnisse liefern – das sind die Erwartungen. Fürsorge wird dagegen oft als „weiblich“ gesehen, etwas, das nicht zur männlichen Sozialisation gehört. Doch was wir vergessen: Care-Arbeit ist universell menschlich.

Welche Stärken bringen Männer und Frauen in die Hospizarbeit ein?

Jeder Mensch bringt etwas Einzigartiges mit, egal ob Mann oder Frau. Aber Männer könnten – ganz allgemein – durch einen anderen Zugang Dinge ergänzen: Strukturiertes Denken, Ruhe in chaotischen Momenten. Doch im Kern zählt nicht das Geschlecht, sondern die Fähigkeit, sich einem Menschen mit offenem Herzen zu nähern.

Was hält viele davon ab, sich in der Hospizarbeit zu engagieren?

Unsicherheit ist oft der Grund. Viele wissen nicht, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen, weil sie nie gelernt haben, sich emotional einzubringen. Es braucht Mut, sich auf etwas einzulassen, das so weit weg von gewohnten Rollenbildern ist. Für viele fühlt sich das wie ein Sprung ins Unbekannte an.

Was hat Ihnen persönlich geholfen, diesen Weg zu gehen?

Die Gemeinschaft. Schon während der Ausbildung hatte ich das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Zu wissen, dass ich nicht allein bin, hat mir enorm geholfen, Unsicherheiten zu überwinden.

Welche Momente in der Hospizarbeit bedeuten Ihnen besonders viel?

Besonders berührend finde ich, wie man selbst in schweren Momenten das Licht der Freude teilen kann. Es gibt kaum etwas Erfüllenderes, als jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, auch wenn die Zeiten düster erscheinen. Das sind die wahren Highlights dieser Arbeit.