Veränderungen in den letzten Tagen und Stunden
In der letzten Lebensphase verlangsamt sich der Körper zunehmend. Viele Menschen
- schlafen sehr viel und sind schwerer ansprechbar
- wirken zeitweise abwesend oder in sich gekehrt
- essen und trinken deutlich weniger
- werden schwächer und bewegen sich kaum noch
- haben kühlere Hände und Füße
- zeigen eine veränderte Atmung
Diese Veränderungen sind häufig. Sie bedeuten nicht automatisch, dass der Mensch leidet.
Wenn der Körper langsam loslässt
In den letzten Tagen und Stunden verändert sich vieles, was für Angehörige schwer auszuhalten sein kann. Viele dieser Veränderungen sind Teil des natürlichen Sterbeprozesses – und es gibt einfache, liebevolle Möglichkeiten, dem sterbenden Menschen Nähe, Ruhe und Sicherheit zu geben.
Für viele Angehörige ist es besonders schwer auszuhalten, dass der sterbende Mensch kaum noch isst oder trinkt.
Am Lebensende lässt das Bedürfnis danach oft ganz natürlich nach. Der Körper braucht weniger Nahrung und Flüssigkeit - ein Zuviel davon würde den Körper sogar unnötig belasten.
- Bieten Sie kleine Mengen an – aber drängen Sie nicht
- Achten Sie darauf, ob das Schlucken noch gut möglich ist
- Wichtiger als die Menge an Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme wird eine regelmäßige Mundpflege
Ein trockener Mund kann sehr unangenehm sein. Hilfreich ist es,
- die Lippen zu befeuchten
- den Mund regelmäßig zu reinigen
- kleine Schlucke Wasser anzubieten, wenn möglich
- kleine Mengen an Gefrorenem oder Lutschbarem anzubieten
Häufig verändert sich die Atmung:
- sie wird unregelmäßiger
- es kann zu Atempausen kommen
- sie wirkt flacher oder angestrengter
Manchmal entstehen rasselnde oder gurgelnde Atemgeräusche.
Diese entstehen durch Sekret, das nicht mehr richtig abgehustet werden kann.
Diese Geräusche sind für Angehörige oft belastend, bedeuten aber in der Regel nicht, dass der sterbende Mensch Schmerzen oder Atemnot empfindet.
Manche Menschen wirken in den letzten Tagen unruhig oder verwirrt:
- sie sprechen anders als gewohnt
- sie erkennen Personen nicht mehr
- sie wirken innerlich „unterwegs“
- sie sehen oder hören Dinge, die andere nicht wahrnehmen
Was helfen kann:
- bleiben Sie ruhig
- sprechen Sie leise
- geben Sie Orientierung („Ich bin da“)
- schenken Sie sanfte Berührungen
- korrigieren oder widersprechen Sie nicht
Was Angehörige konkret tun können
Viele Angehörige haben das Gefühl, am Lebensende nichts mehr für den Sterbenden tun zu können.
Dabei gibt es vieles, was für eine spürbar ruhige und geborgene Atmosphäre sorgen kann:
- einfach da sein
- die Hand halten
- sanfte Berührungen
- ruhig sprechen
- Hände oder Stirn eincremen
- vertraute Musik laufen lassen
Auch wenn ein Mensch kaum noch reagiert, kann er noch manches wahrnehmen.
Abschied und der Moment des Sterbens
Viele Angehörige haben das Gefühl, sie müssten in jedem Moment beim sterbenden Menschen sein – aus Sorge, ihn im letzten Augenblick allein zu lassen.
Es kann entlastend sein zu wissen:
Der Zeitpunkt des Sterbens lässt sich nicht steuern.
Manche Menschen sterben im Beisein ihrer Angehörigen.
Andere warten, bis sie für einen Moment allein sind.
Ein Bild, das helfen kann:
So wie bei einer Geburt das Kind entscheidet, wann es kommt, so entscheidet ein Mensch oft auch selbst, wann er gehen kann.
Wenn Sie in einem Moment nicht da sind, bedeutet das nicht, dass Sie etwas versäumt oder den Sterbenden im Stich gelassen haben.
Die Nähe und alles, was vorher da war, bleibt bestehen.
Kinder einbeziehen
Kinder spüren meist sehr genau, dass ein Mensch im Sterben liegt.
- Sprechen Sie ehrlich und altersgerecht mit Kindern
- lassen Sie Fragen zu
- ermöglichen Sie ein Abschiednehmen
- Kinder dürfen – müssen aber nicht – dabei sein.
Hinweis
jeder Sterbeprozess ist individuell.
Nicht alle beschriebenen Veränderungen treten bei jedem Menschen auf.
Weiterführende Informationen
Ausführliche Informationen für pflegende Angehörige bietet die Broschüre „Begleitung am Lebensende“. Sie enthält verständliche Hinweise zur Sterbebegleitung, zur Unterstützung im Alltag und dazu, wann Hilfe von außen wichtig ist.
Wann Unterstützung wichtig ist
Zögern Sie nicht, Hilfe zu holen, wenn Sie sich unsicher oder überfordert fühlen.
Insbesondere bei Situationen wie:
- vermuteten Schmerzen
- starker Unruhe
- Atemnot
- Fragen zu Essen, Trinken oder Medikamenten